D-Dimere: Was Ihr Laborwert bedeutet (2024)

VonLena Machetanz, Ärztin

und, Medizinredakteurin und Biologin

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor (zwischenzeitlich als freie Autorin).

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Die D-Dimere sind Spaltprodukte des Fibrins. Sie werden bestimmt, um eine Thromboembolie auszuschließen, also einen plötzlichen Verschluss einer Vene oder Arterie durch ein Blutgerinnsel. Lesen Sie hier alles Wichtige über den D-Dimere-Referenzbereich für Kinder und Erwachsene und mögliche Ursachen für erhöhte und erniedrigte Messwerte!

Was sind D-Dimere?

Bei den D-Dimeren handelt es sich um Spaltprodukte des Fasereiweißes Fibrin, das eine große Rolle bei der Blutgerinnung spielt:

Durch das Zusammenlagern von Fibrin und Blutplättchen (Thrombozyten) bildet sich ein Blutpfropf – sowohl bei der gesunden Blutgerinnung (Wundheilung) als auch bei der krankhaften Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) innerhalb intakter Gefäße. Solche Thromben können am Ort ihrer Entstehung ein Gefäß verstopfen (Thrombose) oder aber mit dem Blutstrom mitgerissen werden und an anderer Stelle einen Gefäßverschluss verursachen (Embolie).

Bei der Auflösung eines Pfropfs oder Blutgerinnsels (Fibrinolyse) werden die quervernetzenden Stränge im Fibrin gespalten. Dabei entstehen kleinere Fibrinfragmente, darunter auch die D-Dimere.

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Wann bestimmt man die D-Dimere?

Der Arzt bestimmt die D-Dimere aus einer Blutprobe bei Verdacht auf eine Thromboembolie (wie Beinvenenthrombose, Lungenembolie) oder eine übermäßige Blutgerinnung (disseminierte intravasale Gerinnung).

Einen Hinweis auf einen Gefäßverschluss in den Beinen geben zum Beispiel folgende Beschwerden an der betroffenen Extremität:

  • Schwellung
  • dumpfer Schmerz
  • bläuliche Färbung (Zyanose) durch die Unterversorgung mit Sauerstoff
  • Überwärmung
  • Schwere- oder Spannungsgefühl
  • deutliches Hervortreten der Venen

D-Dimere als Ausschlussverfahren

Der „D-Dimere-Test“ hat eine geringe Spezifität, aber eine hohe Sensitivität. Das bedeutet einerseits, dass erhöhte Werte nicht direkt auf ein spezielles Krankheitsbild schließen lassen – ein positives Testergebnis kann also viele Ursachen haben und nutzt dem Arzt in der Diagnostik nicht ganz so viel.

Andererseits bedeutet es aber auch, dass der Test sehr sensibel auf Gefäßverschlüsse reagiert: Bei Patienten mit einem normalen D-Dimere-Wert ist ein Gefäßverschluss sehr unwahrscheinlich. Deshalb eignet sich der Laborwert gut, um den Verdacht auf einen Gefäßverschluss abzuklären.

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D-Dimere: Normwerte

Der D-Dimere-Wert im Blut beträgt bei Erwachsenen normalerweise zwischen 20 und 400 Mikrogramm pro Liter (µg/l) betragen.

Achtung: Bei Frauen steigt zum Ende einer Schwangerschaft hin der D-Dimere-Wert natürlicherweise bis zu einem gewissen Grad an, ohne dass dies einen Krankheitswert hat. Der Arzt muss dies bei der Beurteilung des Laborwerts berücksichtigen.

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Wann sind die D-Dimere erniedrigt?

Liegen die D-Dimer-Werte unterhalb des sogenannten Cut-offs, hat das keine Bedeutung.

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Wann sind die D-Dimere erhöht?

Ursache für erhöhte D-Dimere ist meist ein thromboembolisches Ereignis, also ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß verstopft. So ist der D-Dimere-Wert bei fast allen Patienten mit einer tiefen Beinvenenthrombose erhöht und sinkt innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen wieder in den Normalbereich ab.

Neben der tiefen Beinvenenthrombose sind unter anderem folgende Erkrankungen oder Situationen eine mögliche Ursache für erhöhte D-Dimere:

  • andere Thrombosen oder Embolien (wie Lungenembolie, Herzinfarkt etc.)
  • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC, Verbrauchskoagulopathie)
  • Operationen
  • starke Blutungen
  • Leberzirrhose
  • Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)
  • Krebserkrankungen
  • Entzündungen wie „Blutvergiftung“ (Sepsis)

D-Dimere: Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft kommt es zu einem natürlichen Anstieg der D-Dimere. Gleichzeitig birgt eine Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln. Die Obergrenze, ab welche der Arzt bei einer schwangeren Patientin an eine Thromboembolie denken muss, liegt also höher als bei anderen Patienten (siehe oben: D-Dimere-Werte: Tabelle für Schwangere).

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Was tun bei veränderten D-Dimeren?

Sind die D-Dimere erhöht, ist ein Gefäßverschluss möglich. Diesen Verdacht wird der Arzt zeitnah abklären, um gegebenenfalls sofort notwendige Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Besteht etwa der Verdacht auf eine Lungenembolie, ist eine sogenannte CT-Angiographie sinnvoll – also eine computertomografische Untersuchung der Blutgefäße mithilfe eines Kontrastmittels. Zusätzlich kann der Arzt eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiographie) durchführen: In Folge der Lungenembolie kommt es nämlich zu einer Belastung der rechten Herzkammer, die sich in der Untersuchung dann zum Beispiel durch eine Kammererweiterung oder eine Schwäche der betreffenden Herzklappen bemerkbar macht.

Vermutet der Arzt als Ursache der erhöhten D-Dimere eine Thrombose der Arme oder Beine, kommt ebenfalls eine spezielle Ultraschalluntersuchung zum Einsatz (sogenannte Kompressions- und Farbduplexsonographie). Damit kann der Arzt das vermutete Blutgerinnsel erkennen.

Wenn die Beschwerden und Risikofaktoren eines Patienten einen Gefäßverschluss sehr wahrscheinlich machen, wird der Arzt auch bei normalen Messwerten der D-Dimere eine bildgebende Untersuchung wie die CT-Angiographie durchführen.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:

D-Dimere: Was Ihr Laborwert bedeutet (1)

Lena Machetanz

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor (zwischenzeitlich als freie Autorin).

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Quellen:

  • Arnold, U.: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2013, Walter de Gruyter Verlag, 264. Auflage, 2013
  • Balletshofer, B. et al.: Herz und Gefäße, Georg Thieme Verlag, 2006
  • Barthels, M. et al.: Das Gerinnungskompendium, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2013
  • Dörner, K.: Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie, Georg Thieme Verlag, 8. Auflage, 2013
  • Gressner, A. M. & Arndt, T.: Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik, Springer Verlag, 2007
  • Hagemann, O.: Laborlexikon, www.laborlexikon.de (Abruf: 10.12.2017)
  • Infoportal des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abruf: 10.12.2017)
  • Marx, G. et al: Die Intensivmedizin, Springer Verlag, 12. Auflage, 2015
  • Nüllen, H. et al.: VTE – Venöse Thromboembolien, Springer Verlag, 2014
D-Dimere: Was Ihr Laborwert bedeutet (2024)

FAQs

D-Dimere: Was Ihr Laborwert bedeutet? ›

Was bedeuten zu hohe Werte? Zu hohe D-Dimer-Werte können auf eine Beinvenenthrombose, Lungenembolie, übermäßige Blutgerinnung (disseminierte intravasale Gerinnung), bösartige Tumore, Leukämien oder eine schwere Leberzirrhose hindeuten.

Bei welchen Erkrankungen sind die D-Dimere erhöht? ›

Daher sind erhöhte D-Dimere unter anderem nachweisbar bei:
  • Phlebothrombose.
  • Lungenembolie.
  • Disseminierte intravasale Koagulation (DIC)
  • Herzinfarkt.
  • Sepsis.
  • nach chirurgischen Eingriffen.
  • Leberzirrhose (verzögerter Abbau)
  • Hämolytisch-urämischem Syndrom.

Wann D-Dimer gefährlich? ›

Für die meisten kommerziell verfügbaren D-Dimer-Tests wird ein Schwellenwert von 500 µg / l angegeben; Werte darunter sprechen im Kontext mit klinischen Parametern mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen eine Lungenembolie.

Was tun wenn D-Dimere zu hoch ist? ›

Was tun bei veränderten D-Dimeren? Sind die D-Dimere erhöht, ist ein Gefäßverschluss möglich. Diesen Verdacht wird der Arzt zeitnah abklären, um gegebenenfalls sofort notwendige Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Was verfälscht den D-Dimere wert? ›

Je ausgeprägter die Niereninsuffizienz war, umso höher waren die D-Dimer-Konzentrationen. So betrug sie bei einer GFR von mehr als 60 ml/min im Mittel etwa 1000 µg/l, bei einer GFR zwischen 30 und 60 ml/min im Mittel knapp 1300 µg/l und bei einer GFR unter 30 ml/min mehr als 2900 µg/l.

Was senkt D-Dimere? ›

Eine gerinnungshemmende Therapie mit Cumarinderivaten senkt die erhöhten D-Dimer-Antigen-Spiegel bei Patienten mit Vorhofflimmern effektiver als eine Hemmung der Thrombozytenfunktion (24).

Wie hoch sind D-Dimere bei Embolie? ›

Bislang gilt: Bei geringer klinischer Wahrscheinlichkeit schließt eine D-Dimer-Konzentration von weniger als 500 ng pro Milliliter eine potenzielle Embolie praktisch aus.

Kann D-Dimere durch Stress erhöht sein? ›

Weitere Tipps: 24 Stunden vor der Blutabnahme sollten Stress oder intensive körperliche Belastung vermieden werden. So werden bestimmte Gerinnungsfaktoren bis zu zehn Stunden nach sportlicher Betätigung falsch zu hoch gemessen, die Thrombozytenaggregation ist bis zu eine Stunde lang verstärkt, die D-Dimere erhöht.

Welche Blutwerte deuten auf eine Thrombose hin? ›

D-Dimere sind sogenannte Biomarker. Ihre Konzentration im Blut gibt Hinweise auf eine Thrombose. Ein normaler Erwachsener hat in der Regel D-Dimer-Werte von unter 500 Nanogramm pro Milliliter im Blutplasma. Bei einer Thrombose liegen die Werte über diesem Grenzwert.

Sind D-Dimere bei Herzinfarkt erhöht? ›

Die D-Dimere liegen bei Myokardinfarktpatienten in erhöhter Konzentration vor. Das Ausmaß der koronaren Gefäßsklerose korreliert mit der D-Dimer-Erhöhung.

Wie kündigt sich Thrombose an? ›

Schweregefühl, Kribbeln, Ziehen im Unterschenkel, eine Schwellung am Bein, ein Hitzegefühl - das können Symptome einer Thrombose sein. Sie kann zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie führen. Jedes Jahr erkrankt einer von 1.000 Menschen an einer Thrombose, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Wie merkt man dass eine Vene verstopft ist? ›

Folgende Symptome können auf eine verschlossene Vene in den Beinen hindeuten: Das Bein schwillt an und fühlt sich stark gespannt an. Das Bein ist druckempfindlich. Das Bein fühlt sich wärmer an als üblich und ist eventuell gerötet.

Bei welchen Tumoren ist der D-Dimer erhöht? ›

Nicht nur bei soliden Tumoren etwa der Lunge und des Darms sind erhöhte D-Dimer-Werte mit einer schlechten Prognose assoziiert, sondern auch beim Melanom. Das hat eine aktuelle Studie ergeben.

Wie lange ist D-Dimer nachweisbar? ›

D-Dimere haben in der Blutbahn eine physiologische Halbwertzeit von 8 h. Da die resorptiven Prozesse und der bindegewebige Umbau, je nach Größe des Gerinnsels 18 – 25 Tage dauern kön- nen, sind die D-Dimer Konzentrationen nach Thrombose oft noch über Wochen erhöht.

Wie sicher ist ein D-Dimere Test? ›

Sensitivität ≥ 97%.

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